Hallo, Gast! Registrieren

Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
[WIRD ÜBERPRÜFT] Mannitol
#1
Hab das Zeugs IRL bei liegender Hirndrucksonde erlebt. Es macht gar nichts. Das Therapieprinzip ist umstritten, bei Hinweisen auf eine Blut-Hirn-Schranken-Störung ist es sowieso kontraindiziert und die Leitlinien empfehlen es schon lange nicht mehr (Quelle Herold Internistische Intensivmedizin). Ich habe es ehrlich gesagt im Spiel noch nie ausprobiert (da ich aus Prinzip nach IRL-Standards behandle), aber sollte es da irgendeine Wirkung zeigen, ist das schon unrealistisch effektiv.
Zitieren
#2
Zitat der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie:

"Bei Verdacht auf transtentorielle Herniation und den Zeichen des Mittelhirnsyndroms (Pupillenerweiterung, Strecksynergismen, Streckreaktion auf Schmerzreiz, progrediente Bewusstseinstrübung) kann durch die Gabe von Mannitol oder hypertoner Kochsalzlösung eine Senkung des intrakraniellen Druckes versucht werden"

"Osmodiuretika, z. B. Mannitol oder hypertone Kochsalzlösung können zur kurzzeitigen Senkung des ICP eingesetzt werden."



Warum auch immer du aus Internistischen Büchern, neurologische Sachverhalte suchst, ist mir ein Rätsel.
Zitieren
#3
Das steht da sicherlich drin, weiterhin aber auch:

"4.6 Hyperosmolare Therapie

Die Infusion hyperosmolarer Lösungen senkt die Viskosität und bewirkt theoretisch eine Abnahme des Gewebeödems. Diese Wirkung ist an den Aufbau eines osmotischen Gradienten gebunden, der wiederum eine osmotische Barriere wie die Blut-Hirn-Schranke voraussetzt. Diese ist allerdings sowohl funktionell als auch strukturell bei den meisten Erkrankungen, die zu einem Hirnödem führen, eingeschränkt oder gar funktionslos. Im Umkehrschluss können hyperosmolare Lösungen auch gesundes Hirngewebe dehydrieren und aufgrund der dort intakten Blut-Hirn-Schranke sogar in stärkerem Maß als das kranke Gewebe."

"Die größte Studie zu Effekten von Mannitol ist eine Subanalyse des INTERACT-Studienprogramms bei der ICB, die in der nicht adjustierten Analyse insgesamt zwar Effekte auf die Mortalität und schwere Pflegeabhängigkeit im Sinne einer Reduktion derselben nachweisen konnte, welche jedoch nach statistischer Korrektur nicht mehr signifikant nachweisbar waren."

Ja, es kann vielleicht manchmal einen geringen ICP-Effekt haben (in den wenigen Fällen, in denen wir's gegeben haben, ist zwar nichts passiert, aber das sind ja durchaus Einzelfälle), hat aber definitiv keinen Mortalitäts- oder sonstigen Outcome-Vorteil. Sogesehen ist die Mannitolgabe, wenn überhaupt irgendwas außer Patientengefährdung, Vitalwertkosmetik.

Du kannst genausogut hyperventilieren, um kurzzeitig den ICP zu senken, bringt dir aber im Großen und Ganzen keinen Mortalitätsvorteil. Oder ein noch besseres Beispiel: HES ist unbestritten unglaublich volumeneffektiv, wer es aber heute noch anwendet, gehört ausgepeitscht. Es lagert sich überall ein und macht die Nieren kaputt.

Das Buch heißt nunmal so, weil Kollege Herold Internist und eben kein Anästhesist ist. Intensivmedizin ist aber immer interdisziplinär und wird oft substituiert. In kleineren Häusern mit Stroke Unit, die keine eigene Neurologie hat, ist die Stroke meistens Internisten zugeordnet (Angiologie).
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste